Eben Alexander: Die Reise eines Neurochirurgen ins Jenseits

Dr. Eben Alexander hat den größten Teil seines Berufslebens als Neurochirurg gearbeitet und hat einige akademische Arbeiten und auch Forschungen auf diesem Gebiet durchgeführt. 2008 wurde bei ihm eine bakterielle Meningitis festgestellt. Er lag 7 Tage lang im Koma, erlebte währenddessen eine tiefgreifende Nahtoderfahrung und danach eine „Wunderheilung“, denn er hatte durch eine massive und umfassende Gehirnschädigung praktisch keine Überlebenschancen.

Sein bis dahin materialistisches Weltbild gab Eben Alexander unter dem überwältigenden Eindruck seiner NTE auf. Heute ist er einer der engagiertesten Vertreter eines idealistischen Weltbildes, in dem nicht die Materie, sondern der Geist, das Bewusstsein im Zentrum steht. Im folgenden Interview erzählt er von seinen Erlebnissen und Erkenntnissen.

Herr Dr. Alexander, Sie haben den größten Teil Ihres Berufslebens als Neurochirurg gearbeitet, Sie haben einige akademische Arbeiten und auch Forschungen auf Ihrem Gebiet durchgeführt, aber im Jahr 2008 wurde bei Ihnen plötzlich eine bakterielle Meningitis festgestellt. Sie haben sieben Tage lang im Koma verbracht und währenddessen eine tiefgreifende Nahtoderfahrung gemacht. Später haben Sie Ihr Buch „Blick in die Ewigkeit – Die faszinierende Nahtoderfahrung eines Neurochirurgen“ geschrieben und sich seitdem intensiv mit der Forschung zu Nahtoderfahrungen und mit Studien zum menschlichen Bewusstsein beschäftigt und außerdem noch zwei weitere Bücher geschrieben. Lassen Sie mich diese korrekt aufführen: „Vermessung der Ewigkeit: Sieben fundamentale Erkenntnisse über das Leben nach dem Tod“ und Ihr neuestes Buch „Tore ins unendliche Bewusstsein: Die Grenzen der Realität überwinden und die wahre Natur des Lebens entdecken“. Sie sind ein international gefragter Vortragender auf wissenschaftlichen Konferenzen und veranstalten auch gemeinsam mit Ihrer Lebensgefährtin, Karen Newell, Seminare. Bitte erzählen Sie zu Beginn nochmal Ihre Geschichte für alle, die sie noch nicht kennen. Was ist Ihnen 2008 widerfahren?

ALEXANDER: Sehr gerne, vielen Dank für diese Einführung. Sie müssen wissen, vor meinem Koma habe ich 54 Jahre meines Lebens damit verbracht, meine sehr konventionelle, wissenschaftlich orientierte Weltanschauung zu vertiefen.

Ich wusste von der Quantenphysik, hatte aber keine wirkliche Vorstellung darüber, wie sehr sich diese auf die Frage des Bewusstseins auswirkt. Aber ich wusste definitiv über die vielen Unstimmigkeiten, die damit zusammenhängen, Bescheid. Auch die vielen wissenschaftlichen Fragen bezüglich des Bewusstseins waren mir bekannt. Aber ich bin dennoch voll und ganz der konventionellen, naturalistischen Ansicht gefolgt, dass die physische Welt das einzige ist, was existiert und dass, daraus folgend, das Gehirn irgendwie Bewusstsein erschaffen muss. 

Was diesen Punkt betrifft, offenbarte mir meine Reise die Unrichtigkeit dieser Auffassung. Um knapp zusammenfassen, was während dieser sieben Tage im Koma passiert ist: Ich wachte am 10. November 2008 um 4:30 Uhr morgens mit starken Rückenschmerzen auf. Bald merkte ich, dass ich schreckliche Kopfschmerzen hatte, und daraufhin verfiel ich, noch zu Hause, ins Koma. Ich war also dort ins Koma gefallen. Es gibt nämlich einen Mythos in der Presse über meine Geschichte, der besagt, dass es sich um ein künstliches Koma handelte, dem war aber nicht so.

Es ist mir sehr wichtig darauf hinzuweisen, dass das Koma durch eine bakterielle Meningoenzephalitis ausgelöst wurde. Meine Ärzte haben nie wirklich festgestellt, wie ich daran erkrankt bin. Allerdings haben sie am ersten Tag entdeckt, dass es sich um eine E. coli-Meningitis handelt. Das war äußerst seltsam, da das fast immer nur bei Neugeborenen auftritt, selten bei Menschen, die älter als drei Monate sind. Das war eine Überraschung für alle Beteiligten. Für mich ist es nur ein Teil eines großen Mysteriums.

Ich möchte betonen, dass mein Fall in der westlichen Medizin keine wirkliche Erklärung hat. Das belegt der Bericht von drei Ärzten, die zwar nicht an meiner Pflege beteiligt waren, aber im Nachhinein von dem Ausmaß meiner Genesung fasziniert waren. Sie verlief nämlich besser als man es hätte erwarten können, und nicht nur das. Bewiesen ist alles in besagtem Fallbericht, der in „The Journal of Nervous and Mental Disease“ im September 2018 herauskam. Dieser Fallbericht verdeutlicht die Zerstörung meines Neocortexes, von allen acht Gehirnlappen. Somit war die gesamte Erfahrung, die ich beschreiben werde, nach den Grundsätzen der modernen Neurowissenschaften unmöglich – und dennoch habe ich sie gemacht, trotz all dieser dokumentierten Schäden.

Mein Erleben begann in einer, wie ich sie gerne nenne, Froschperspektive, einem sehr primitiven, eingeschränkten Bewusstsein. In diesem Zusammenhang ist der Hinweis wichtig, dass ein atypisches Merkmal meiner Nahtoderfahrung eine Amnesie war. Ich hatte keine Erinnerung mehr an Eben Alexanders Leben. Ich hatte keine Sprachkenntnisse mehr und auch kein Wissen über die Erde und die Menschheit oder irgendetwas davon. Ich war wie ein unbeschriebenes Blatt Papier …

 … als Sie sich dort wiederfanden …

ALEXANDER: Ja, richtig, und das ist ein sehr wichtiger Teil dessen, was sich mir in den Monaten und Jahren darauf, im Sinne des Begreifens der gesamten Erfahrung, offenbart hat. Es begann also in diesem primitiven, reaktionslosen Reich, welches ich Froschperspektive nenne. Und es war sehr trüb.

Wissen Sie, ich hatte dort überhaupt keine Angst, weil ich mich ja an nichts anderes erinnern konnte; das war wichtig. Ich konnte somit reiner Beobachter sein und mich auf die Reise einlassen. Daraufhin wurde ich durch ein langsam wirbelndes Portal aus Licht und Musik aus dieser Froschperspektive befreit.

Dieses Portal hatte sich wie ein Wurmloch geöffnet und eine Art Weg in einen höherdimensionalen Raum geschaffen. Ich stieg in dieses Portal hinauf und fand mich in diesem wunderschönen und äußerst realen Zugang wieder, der viele erdähnliche Merkmale aufwies.

Es gab eine wunderschöne Wiese, unbeschreibliche Wälder, üppiges Pflanzenleben, Knospenblüten auf den Bäumen, und bei all dem dynamischen Leben gab es nirgendwo Anzeichen von Tod oder Verfall. Es war eine absolut wundervolle Vision eines erdähnlichen Tals. Da waren Tausende von Wesen unter mir, die in Freude und Heiterkeit umher tanzten. Als ich dieses Szenario Wochen später, nachdem ich aus dem Koma erwacht gewesen war, aufschrieb, da bezeichnete ich sie als Seelen zwischen Leben. Das ist nämlich genau das, was mir aufgefallen war. Ihre besondere Art von Identität und ihre Rolle in diesem ergreifenden Geschehen. 

Das war Ihre Interpretation …

ALEXANDER: Genau. Zumindest nenne ich sie so. Nachdem ich auf diese Welt zurückgekehrt bin, empfinde ich das immer noch als sehr treffende Beschreibung. Nun, während dieser gesamten Reise war ich mir nie eines Körpers bewusst. Es gab überhaupt keine Art von menschlichem Körperbewusstsein. Aber ich war mir bewusst, dass ich ein Beobachter war. Und dieser Beobachter befand sich auf einem Schmetterlingsflügel. Und es gab Millionen von Schmetterlingen in diesen riesigen, sich schlängelnden, spiralförmigen Formationen, unbeschreibliche Farben jenseits denen des Regenbogens. Und das Beste an der gesamten Reise war der Eindruck einer wunderschönen Welt der Perfektion, in vielerlei Hinsicht eine Welt der Ideale.

Ich war nicht allein, da war eine schöne junge Frau, die sich neben mir auf dem Schmetterlingsflügel befand. Wer mein Buch „Blick in die Ewigkeit“ gelesen hat, weiß, wie wichtig sie für mich war. Das hat viel mit meiner Adoptionsgeschichte zu tun.

Ich werde diese schöne Frau neben mir nie vergessen, ihre funkelnden, blauen Augen, ihre hohen Wangenknochen. Sie hatte eine hohe Stirn, weiches braunes Haar, und sie war in die gleichen sehr einfachen Gewänder gekleidet, die auch die tanzenden Wesen unten im Tal trugen. Aber auch hier, all die Farben, so reich, unbeschreiblich. Es war einfach eine erstaunlich schöne Welt.

Sie hatte eine Botschaft für mich, die ich der ganzen Menschheit überbringen sollte. Und seither renne ich in dieser Welt umher und versuche sie zu verbreiten. Diese Botschaft kommt ohnehin oft bei Nahtoderfahrungen vor, wie sie seit Tausenden von Jahren existieren. Sie alle berichten ähnliche Geschichten. Sie übermittelte mir diese Botschaft telepathisch. Sie musste nie auch nur ein Wort aussprechen, weil die Kommunikation in derartigen Dimensionen ist großartiger und umfassender als unsere hier. Trotzdem war die Nachricht sehr einfach. Sie wurde nicht in einer Sprache übermittelt. Als ich in diese Welt zurückkehrte und den konzeptionellen Fluss der Botschaft in Worte gefasst habe, lautete sie: „Du bist für immer geliebt und geschätzt, Du hast nichts zu befürchten. Man kümmert sich um Dich.“

Und ich kann Ihnen nicht sagen, wie erholsam und beruhigend diese Botschaft war. Vor allem, weil ich völlig verwirrt darüber war, was um mich herum geschah.

Plötzlich, einige Momente später, wurde ich Zeuge eines weiteren Ereignisses. Nun, ich nenne es den göttlichen Wind, es war wie ein leichter, sommerlicher Wind, der alles durchwehte. Und obwohl die gesamte Szene um mich herum in ihrer Komplexität, Reichhaltigkeit und extremen Realitätsnähe gleich geblieben war, veränderte sich mein Bewusstsein aufgrund dieses göttlichen Windes oder göttlichen Atems, wie ich es nenne, drastisch. Ich wurde mir zum ersten Mal der Kraft und des Einflusses dieser unendlich liebenden Gotteskraft im Kern des Universums bewusst. Und ich erinnere mich, wie diese gesamte Welt nach unten hin kollabierte. Die vierdimensionale Raumzeit und auch der irdische Bereich kollabierten. Im geistige Reich aber, in dieser persönlichen Welt der Ideale, wo übrigens auch die sogenannten Lebensrückblicke stattfinden und wo wir uns in unserem höheren Selbst wiederfinden, die Seelen von verstorbenen, geliebten Menschen wiedersehen, all das, in diesem Bereich herrscht eine andere Art von Kausalität. 

Das ist sehr wichtig. Wir denken, dass die Zeit auf der Erde der Maßstab für alle Ereignisse in unserem Leben ist. Und doch gibt es diese viel umfassendere „tiefe Zeit“, wie ich sie nenne. Es ist, als würde man in der Ewigkeit stehen und die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor sich ausgebreitet sehen. Das ist der Grund warum dort Lebensrückblicke stattfinden können. Die Menschen erleben die Ereignisse ihres Lebens noch einmal, und zwar nicht in einer vagen, traumähnlichen Art, sondern vielmehr in einer äußerst realistischen, sozusagen hyper-realen. Das Wiedererleben der Ereignisse beinhaltet auch die Perspektive anderer Menschen, die von Ihren Gedanken und Handlungen beeinflusst worden sind.

In den Lebensrückblicken, wie ich sie erlebte, ging es nicht nur um den persönlichen Lebensrückblick für Eben Alexander, sondern um etwas Umfassenderes. Sie führten zu zwei großen Visionen, die in diesem Reich und in dem höheren Reich stattfanden, in das ich aufgestiegen war. Eine dieser Visionen ist das, was ich als „Indra’s Netz“ bezeichne. Es war eine großartige Art von Helikopter-Schauung der gesamten Menschheit, des empfindenden Lebens, das in diesem Universum entsteht und sich entwickelt. Die andere Vision war die eines fliegenden Fisches. Aber so sah ich Lebensrückblicke und verstand die Bedeutung der sogenannten „Goldenen Regel“: Es ist im Universum eingraviert, dass man andere so behandeln soll, wie man selbst behandelt werden möchte. Denn in der Lebensrückschau spüren Sie, wie es ist, auf der anderen Seite zu stehen, zu erleben, was Sie anderen gegenüber getan und gesagt haben. Also, wenn Sie in der Welt eine Menge Schmerz und Leid verbreitet haben, dann wird ihr Lebensrückblick nicht sehr angenehm sein, weil Sie nun all das empfangen.

Ja, das ist eine sehr häufige Botschaft. 

ALEXANDER: Genau. Es wurde mir also bewusst, dass in diesem wunderschönen Durchgangstal nur die reine Freude herrschte, das Aufbauende. Denn von weiter oben schwebten kugelförmige Körper, Engel, wie Ovale aus spiritueller Energie, herab und hinterließen funkelnde, goldene Spuren im blau-schwarzen, samtenen Himmel. Von ihnen gingen Gesänge und Hymnen aus, die durch mein Bewusstsein … donnerten. Musik, weitaus großartiger und perfekter als jede Musik, die wir jemals auf der Erde gehört haben, obwohl es auf dieser Welt sicherlich Musik gibt, die sich der Größe dieser Gesänge und Hymnen anzunähern vermag. Und diese Engelschöre boten ein weiteres Lichtportal, genau wie das, das mich von der Froschperspektive in dieses Tal geführt hatte.

Aber nun sah ich all diese Dinge zusammenbrechen, bis das gesamte höherdimensionale Multiversum der gesamten Ewigkeit, dieser Komplex über der Sphäre wurde. Es diente als eine Art Lehrbehelf in einem Reich, das ich den „Kern“ oder das „Herz“ nenne. Dieser innerste Raum ist ein unendliches Schwarz, das von der göttlichen, heilenden Liebe der Gotteskraft über die Maßen erfüllt ist.

Als ich zurück kam, nannte ich diese Gotteskraft „Om“, denn das war der Klang, den ich in diesem Reich hörte, die Resonanz der Ewigkeit und Unendlichkeit, wie sie dem Reich des Allerheiligsten und Göttlichen zueigen ist. Die reinste Essenz dieser Gotteskraft durchströmte diesen Raum, und dort wurde ich eins mit der Kraft und mit dem Universum. 

Es klingt irgendwie vermessen, wenn ein Mensch solche Worte verwendet, aber es kommt nicht aus der Position eines Egos. Denn an diesem Punkt war ich eins mit allem, was ist, und dieser Ozean von Liebe war mein Wesen. Es gab also keine Möglichkeit, irgendein Ego zu haben. Beim Ego, wie wir es in diesem Körper erleben, dreht sich alles um Angst und Furcht und all diese kleinlichen Interpretationen der Realität auf niedriger Ebene. Aber es gibt viel höhere Ebenen unseres Bewusstseins, die uns in der Meditation zugänglich sind und die das widerspiegeln, was in Nahtoderfahrungen erlebt wird …

Ich wollte Sie nicht unterbrechen … nun habe ich es schon getan … aber ich habe zu diesem Gefühl der Einheit und Verbundenheit mit allem, von dem ja öfter berichtet wird, eine Frage. Hatten Sie in diesem Moment noch ein Gefühl von, eine Erinnerung an Individualität?

ALEXANDER: Nein. Ich denke, das war einer der Gründe, warum ich wie ein unbeschriebenes Blatt werden musste. Denn in vielerlei Hinsicht zeigt sich hier etwas, das für alle Wesen universell ist, und zwar eine Art gemeinsames Bewusstsein. 

Das ist es, was den Großteil meiner Arbeit in den letzten 12 Jahren ausgemacht hat, mit Wissenschaftlern und anderen Erfahrenen auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, um ein tieferes Verständnis für den Ursprung der Realität und der Verbindung zwischen Geist und Gehirn zu erlangen. Was ist die eigentliche Natur des Bewusstseins? Was immer die Wissenschaft in dieser Richtung erforscht, zeigt, dass wir in der Tat einen Geist teilen. Viele Quantenphysiker wie Erwin Schrödinger, Wolfgang Pauli, Heisenberg und andere erkannten diese Eigenheit der Realität, mit der sie sich befassten und beschrieben das im Rahmen der Quantenphysik.

Es mag seltsam erscheinen, aber Geist und Bewusstsein erweisen sich als eine grundlegende Art von Top-Down-Präsenz mit einem viel größeren Wirkungskreis als unsere lokale Umgebung und unserer physischer Körper. Deshalb sind Ereignisse wie Telepathie, Fernwahrnehmung, außerkörperliche Erfahrungen usw. Beispiele für nicht-lokales Bewusstsein. Ich habe angefangen, vieles davon wissenschaftlich zu erforschen. In unserem dritten Buch, „Tore ins unendliche Bewusstsein“, haben wir wichtige Schritte unternommen, all diese Informationen zu festigen und Wissenschaft mit Spiritualität zu vereinen, weil sie sich dadurch gegenseitig enorm stärken.

Ich möchte noch einmal auf Ihre Erfahrungen zu sprechen kommen, denn vielleicht haben Sie ja nicht alles erwähnt, was Sie sagen wollten.

ALEXANDER: Ja, ich möchte noch ein bisschen mehr erzählen. Wir sind also sozusagen von der Froschperspektive zum Durchgangstal hinauf und bis zum Kern gelangt. Dann aber, an der Schwelle zum Kern, wurde mir noch etwas mitgeteilt, nicht in Worten, sondern wieder in einem konzeptionellen Fluss, den ich später in Worte fasste: „Wir werden Dich vieles lehren, aber Du bist nicht hier, um zu bleiben. Du wirst zurück kehren.“

Und danach fand ich mich plötzlich in der Froschperspektive wieder, in diesem sehr primitiven Reich, in dem alles begann.

Als das das erste Mal geschehen war, dachte ich mir „Wow. Was ist das? Sehr eigenartig!“ Aber mir wurde sehr schnell klar, wo ich war, als ich mich an die Melodie erinnerte, die mit dem Portal verbunden war und mit dem ersten Durchgang nach oben, aus der Froschperspektive in das Tal. Mich an die Noten zu erinnern erlaubte mir, das Portal wieder heraufzubeschwören und das wunderschöne Durchgangstal erneut zu erleben, den wunderbaren Schutzengel, auf dem Schmetterlingsflügel … die gleiche beruhigende Botschaft, sowie viele weitere Lektionen.

Natürlich würde ich dann wieder die Engelschöre und ihre Musik dazu nützen, um in immer höhere Ebenen aufzusteigen. Für mich war das eine wichtige Botschaft, ein tiefes Prinzip meiner Reise: Die Klänge und die Musik, die ich hörte, waren weitaus großartiger als alles, was in der vierdimensionalen Raumzeit stattfinden kann. So viel reicher und vollkommener als die Musik, die wir hier hören. Und doch kann unsere menschliche Empfindung es als Musik wahrnehmen. Musik war deshalb von entscheidender Bedeutung für mich, um diese Ebenen nach Belieben durchreisen zu können. Und das ist ein Hinweis für jedermann.

Die Bedeutung von Musik kommt auch in meiner Arbeit der letzten 12 Jahren zum Ausdruck – Meditation mit Hilfe von Klängen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich in der Meditation nie in der Lage war, das extreme, überwältigende Empfinden der Ultra-Realität in diesen Reichen vollständig wiederzugeben. Das ist wirklich erstaunlich und am allerschwersten zu erklären.

Dazu kommt, dass unsere Wissens- und Wahrnehmungsfähigkeit dort viel umfassender ist als hier, wo wir nur mit den Ohren hören, mit den Augen sehen und ein Gehirn haben, das alles filtert, um es auf diese winzige Rinnsal-Wahrnehmung zu reduzieren, an die wir in diesem Körper gewöhnt sind. 

Demgegenüber erfuhr ich einen viel reicheren Informationsfluss, der auch unbedingt vonnöten war, weil ja das gesamte höherdimensionale Multiversum präsentiert werden sollte – als Lehrmittel sozusagen.

Aber das Wichtigste, worauf ich hinweisen möchte, ist, dass ich diese Reise mehrmals gemacht habe, dass ich durch diese Reiche aufsteigen und dann wieder zurück in diesen Anfangsbereich gestürzt bin. Und so, wie es mir mehrmals versprochen wurde: „Du bist nicht hier, um zu bleiben“, kam ein Punkt, an dem ich dieses höhere Portal nicht mehr heraufbeschwören konnte. Und wenn Sie meinen, dass ich in diesem Moment traurig war, dann wäre das eine große Untertreibung …

Aber dann wurde mir bewusst, dass ich die ganze Zeit über mit meinem Schutzengel gereist war, dass man sich um mich kümmert und ich beschützt bin. Ich wusste, dass ich vertrauen konnte. Ich konnte dem Universum vertrauen. Das gehört zum Schönsten, das Nahtoderfahrene mitnehmen – wenn sie wissen, dass sie dem liebenden Gott trauen können, der sich um uns kümmert, auf uns aufpasst. 

Und dieses Wissen ist gleichzeitig eines der schönsten Geschenke für andere, die Angst vor dieser Reise haben, Angst vor dem Tod haben: Nein, es gibt nichts zu befürchten. Es geht wirklich um die Einheit mit dem Universum!

Nun, natürlich sind Mord und Selbstmord falsch. Sie verletzen fundamentale Prinzipien, aber in Wahrheit – und das ist wichtig zu begreifen – ist der Tod ein Übergang, ein natürlicher Teil unserer Existenz.

Das wird umso deutlicher, wenn Sie wissenschaftliche Erkenntnisse miteinbeziehen, die die Reinkarnation und Erinnerungen an vergangene Leben von Kindern belegen. Beispielsweise haben Wissenschaftler an der University of Virginia in den vergangenen sechs Jahrzehnten mehr als 2.500 Fälle von Erinnerungen an vergangene Leben erforscht, die Kinder hatten, und die naheliegendste Erklärung dafür ist die Wiederverkörperung. Sie müssen also definitiv eine erweiterte Vorstellung von Bewusstsein und vom Menschsein an sich haben, um diese Aussagen auch nur ansatzweise begreifen zu können.

Mir wurde also klar, dass ich die Melodie, das Portal, nicht länger heraufbeschwören konnte, welches mich weiter führte. Da sah ich in der Ferne Tausende von Wesen mit gesenkten Köpfen dahinziehen, mit großer Inbrunst Gebete murmelnd. Ich konnte die Worte nicht verstehen, aber es war unglaublich, wie viel Trost, Freude und Liebe ich verspürte – selbst in meiner trüben Froschperspektive. Sie alle zeigten das, was ich später als die „Energie des Gebets“ beschrieben habe. Die Macht des Gebets, Seelen dieser Ebene zu erreichen. Und so wurde ich mir dieser gebetsähnlichen Energie bewusst, die auch mir geholfen hat, obwohl ich immer noch keine Ahnung hatte, wohin das alles führen würde.

Damit begann die letzte Phase meiner Nahtoderfahrung. Ich sah sechs Gesichter, die sich aus der Erde formten, ein paar Worte sagten und wieder verschwanden. Ich verstand sie nicht. Aber interessanterweise wurde mir später, als ich auf diese Welt zurückkam, klar, dass die Gesichter zu meiner geliebten Familie, Freunden und einem meiner Ärzte gehörten, die die letzten 24 Stunden mit mir auf der Intensivstation waren, als ich im Koma lag. Ihre Anwesenheit ermöglichte es mir in der Folge, meine restliche Erfahrung zeitlich zwischen dem ersten und fünften Tag des siebentägigen Komas einzuordnen.

Das ist in meinem Fall wichtig, weil während dieser Zeit die „Glasgow Koma Skala“, die ein objektives Maß dafür ist, wie tief jemand im Koma liegt, eine tiefe Ebene zeigte, 5 oder maximal 6. Alles unter 9 bedeutet tiefes Koma. Sie oder ich wären momentan bei 15.

Diese Glasgow Koma Skala bestätigte, dass alle acht Lappen meines Gehirns betroffen waren, wie es die neurologischen Untersuchungen, CT- und MRT-Untersuchungen zeigten. Kein einziger Teil meines Neocortexes war unversehrt. 

Das alles zusammengenommen half, die Realität meiner Reise zu bestätigen. Als ich zum ersten Mal auf der Intensivstation zu mir kam, war mein Gehirn völlig zerstört. Ich hatte keine Ahnung, wer diese Wesen am Bett waren, weil ich diese sechs Gesichter im Koma nicht erkannte. Meine Mutter, meine Söhne, meine Schwester, mein ehemaliger Ehepartner, ich hatte keine Ahnung, wer diese Menschen waren. Alles, was ich wusste, war lediglich, wo ich gerade gewesen war. Innerhalb weniger Stunden kamen jedoch Teile meiner Sprachfähigkeit sowie persönliche Erinnerungen zurück. In den darauffolgenden Tagen noch viel mehr. Und nach ungefähr zwei Monaten war alles wieder hergestellt.

Eine weitere interessante Tatsache, die wir im Buch „Tore ins unendliche Bewusstsein“  näher besprochen haben, ist, dass Erinnerungen nicht im Gehirn gespeichert werden. Das ist quasi der letzte Nagel im Sarg für die materialistische Neurowissenschaft.

Neurochirurgen haben das ohnehin schon lange vermutet. Denn unabhängig davon, was wir in Bezug auf das Gehirn vermuten: Es gab noch keinen Fall, in dem ein definierbarer Teil des Langzeitgedächtnisses verloren ging, weil ein Teil des physischen Gehirns entfernt wurde.

Das führt zu einer faszinierenden Diskussion, die auch in unserem Buch zu finden ist. Meines Erachtens ist es notwendig, die Natur der Realität komplett neu zu überdenken, die Verbindung von Geist und Gehirn, das Wesen des Bewusstseins.
Zu meinem Glück entdeckte ich ungefähr zwei Jahre nach meinem Koma, als ich einen Vortrag an der University of Virginia hielt und von meiner Erfahrung erzählte, dass die Forscher dort tatsächlich bereits seit vielen Jahrzehnten daran arbeiteten, all das wissenschaftlich zu erklären. Hier ist bereits enorme Arbeit geleistet worden.

Ich habe mich also mit dieser Gruppe und mit ähnlichen wissenschaftlichen Gruppen auf der ganzen Welt zusammengetan, um zu einem tieferen Verständnis zu gelangen. Die gute Nachricht für uns alle ist, dass das materialistische Modell falsch ist; also dass nur die physische Welt existiert, dass unser Gehirn Bewusstsein erzeugt und dass, wenn unser Gehirn und unser Körper sterben, unser Bewusstseins erlischt. Das ist falsch. Es stimmt einfach nicht.

Die moderne Wissenschaft ist um Beweise bemüht. Aber jeder Wissenschaftler, der behauptet: „Oh ja, das Gehirn erzeugt Bewusstsein, und wenn Sie sterben, haben Sie kein Bewusstsein mehr“, weiß nichts davon oder er ignoriert die vorhandene Literatur absichtlich.

Aber das ist doch genau die Betrachtungsweise, der Sie sich in der Vergangenheit selbst verschrieben hatten …

ALEXANDER: Ja, das hatte ich, und das ist einer der Gründe, warum ich die Ironie dieser großartigen Reise so liebe. Diese unglaubliche und tiefe Wahrheit über das Primat des Bewusstseins zu entdecken – dass es vor allem um ein geistiges Universum geht.

In der Quantenphysik können Sie unschwer Diskussionen über eine Top-Down-Kausalität in einem geistigen Universum finden. In einem solchen existieren wir tatsächlich, deshalb sind derartige Konzepte so bedeutend. Und eines der wichtigsten besagt, dass das Bewusstsein befreit wird, wenn das Gehirn und der Körper sterben.

Das Gehirn agiert als eine Art Filter, der das Bewusstsein eingrenzt oder verengt und nach unten abschnürt auf dieses klitzekleine Tröpfchen einer Illusion von Hier und Jetzt und dem Eindruck des Selbst. Indes hätten wir die Kraft nach innen zu gehen, zu meditieren oder uns im Gebet zu zentrieren, um mehr über die umfassenderen Aspekte unserer Existenz zu erfahren. Und ich denke, eine der wichtigsten Lektionen ist, dass viel von dem Schaden in unserer heutigen Welt über Jahrhunderte hinweg auf eine Trennung zwischen Wissenschaft, Technologie und unserem menschlichen Geist zurückzuführen ist. Die materialistische Wissenschaft hat so getan, als gäbe es kein Bewusstsein, als sei das alles eine Illusion. Aber das verdeckt die viel größere Illusion, die nämlich die physische Welt darstellt, die uns so real erscheint. 

Wir müssen uns darauf besinnen, dass wir nur ein geistiges Konzept erleben, sozusagen ein geistiges Modell einer Welt, von der wir angenommen haben, dass sie da draußen ist. Das ist eine der tiefsten und wichtigsten Lehren der Quantenphysik – und ich verweise hier nochmals auf unser Buch „Tore ins unendliche Bewusstsein“, in dem wir intensiv darauf eingehen.

Ich glaube, ein wichtiger Grund dafür, warum unsere Bücher in Deutschland so populär sind, liegt darin, dass sich unsere Diskussionen dem Idealismus nähern, beziehungsweise dass wir uns analytisch, metaphysisch, objektiv oder ontologisch mit einigen der reichsten Traditionen des deutschen Idealismus treffen, mit Schopenhauer und anderen brillanten Denkern, die an dieser Wahrheit dran waren. Ein Großteil ihrer Arbeit tritt mit dieser wissenschaftlichen Revolution in neues Licht, im Hinblick auf das Verständnis von Bewusstsein und auf die Tatsache, dass wir in einer Welt zu leben scheinen, die durch den Idealismus am besten erklärt wird und dass sich die menschliche Erfahrung in Wahrheit auf der geistigen Ebene abspielt.

Sie sagen also, dass die traditionelle Ansicht, die von der Mehrheit der Wissenschaftler und auch allgemein vertreten wird, dass unser Gehirn Bewusstsein produziert und dass, sobald das Gehirn stirbt, auch das Bewusstsein schwindet, falsch ist …

ALEXANDER: Es ist völlig falsch, und es gibt mehr als hundert Wissenschaftler auf der ganzen Welt, die sich mit dieser Frage befassen und mir zustimmen würden. Das sind wunderbare Nachrichten für uns alle, denn somit steht die Tür offen für einen freien Willen und für unsere Entscheidungsfreiheit in dieser Welt.

Materialistisch orientierte Wissenschaftler, wie ich vor meinem Koma selbst einer war, versuchen Ihnen zu sagen, dass Sie keinen freien Willen haben. Sie tun so, als ob es nur die chemischen Reaktionen und Elektronenflüsse im Gehirn sind, die alle den natürlichen Gesetzen der Physik, Chemie und Biologie folgen. Daher soll alles, was bewusst ist, eine Illusion sein, die durch diese chemischen Reaktionen und Ströme erzeugt wird. Somit bleibt kein Platz für einen freien Willen. Es ist alles nur ein natürlicher Prozess nach den Gesetzen der Natur. Und genau hier grenzt die materialistische Neurowissenschaft meines Erachtens an Irrsinn.

Ich bin davon überzeugt, dass der freie Wille existiert und gehe sogar so weit zu sagen, dass das gesamte Universum existiert, um den freien Willen zu manifestieren – als Teil der Entwicklung des gesamten Bewusstseins. 

Ähnlich sah es Teilhard de Chardin, der die Evolution des Bewusstseins in seinem Buch „Der Mensch im Kosmos“ Mitte des 20. Jahrhunderts thematisierte. Ich glaube, er wusste ganz genau Bescheid, was hier wirklich vor sich geht. Wir haben eine riesige Verantwortung für unsere Entscheidungen. 

Die Menschheit sollte ihr enormes Potenzial für das ihr bestimmte Zusammenwirken nutzen, anstatt fälschlicherweise vorzugeben, dass wir voneinander getrennt sind. 

Das war eine der größten Travestien der materialistischen Wissenschaft – davon auszugehen, dass Objekte nur miteinander interagieren, aber nicht Teil des einheitlichen Ganzen sind. Und doch haben viele Quantenphysiker im Lauf der Zeit erkannt, dass der Idealismus, das Geistige, tatsächlich im Mittelpunkt steht. 

Wer der modernen Quantenphysik folgen will, findet dazu meine Sichtweise im Buch „Tore ins unendliche Bewusstsein“. Auf den Punkt bringt es auch Carlo Rovellis relationale Interpretation des Messparadoxons in der Quantenphysik, und wir empfehlen auch die Metaphysik von Bernardo Kastrup. Er hat großartige Arbeit geleistet, um der wissenschaftlichen Gemeinschaft den Begriff des Idealismus und die Kraft des geistigen Reiches wieder näher zu bringen.

Auf welchem Weg sind Sie zu einer anderen Sichtweise gelangt?

ALEXANDER: Nun, es war eine erstaunliche Reise. Denn anfangs, als ich in diesem Raum auf der Intensivstation aufwachte, erkannte ich, wie gesagt, nicht einmal meine geliebten Menschen. Mein Gehirn war von diesem ganzen schwächenden Koma zerstört. Ich erinnere mich, dass ich anfangs mit meinem älteren Sohn gesprochen hatte, der übrigens Neurowissenschaften studierte, als ich im Koma lag. Er war die meiste Zeit an meinem Bett gewesen. Er kam gerade aus der Hochschule, als ich das Krankenhaus verlassen hatte. Es war der Tag vor dem Erntedankfest 2008. Ich erinnere mich, dass ich ihn fest umarmt habe. Und er erzählte mir viel später, dass ich viel präsenter gewesen sei als jemals zuvor und dass da ein Licht in mir gewesen sei. Ich erinnere mich, was ich ihm gesagt habe. Ich sagte: Das war viel zu real, um real zu sein. Das Erleben war ultra-real, viel realer als diese Welt.

Die Leute denken oft, dass eine Nahtoderfahrung traumähnlich und unklar ist. Nein! Das hier ist der Traum. Diese Welt, diese materielle Welt wirkt traumartig trüb. Jene Welt ist so realitätsstark, dass sie sich daran detailreich für den Rest Ihres Lebens erinnern. Es ist unglaublich!

Aber ich habe schon mit meinen Ärzten Erfahrungen gemacht. Als ich aus dem Koma erwachte, versuchte ich ihnen zu erzählen, was passiert war. Sie klopften mir einfach auf die Schulter und sagten, das sterbende Gehirn könne alle möglichen Streiche spielen. „Wir haben keine Ahnung, wie Sie sich überhaupt erholen konnten.“ Meine Ärzte waren sogar schockiert darüber, dass ich sprechen konnte, und sie dachten: Oh Mann, was für ein Spinner. Er hat wirklich viel durchgemacht, aber hört doch, was er uns jetzt über seine Reise zu erzählen versucht.“

So dachte auch ich noch Wochen später, dass meine Ärzte Recht hatten, dass das eine große Halluzination gewesen sein musste. Aber es war eben außerordentlich real. Zu real um wahr zu sein. Also habe ich versucht, es als diese gewaltige Halluzination herunterzuspielen. Aber das war, bevor ich die medizinischen Details meines Falles kannte.

Mein Wissen ist in den Wochen und Monaten nach meinem Koma langsam wieder zurückgekommen. Also habe ich hin und wieder mit meinen Ärzten gesprochen, um einige Tests durchzuführen, um medizinische Unterlagen zu erneuern, neurologische Untersuchungen durchzuführen und selbst all die Scans zu überprüfen. Und das Rätsel wurde immer größer, weil mir klar wurde, dass ich im Grunde genommen die Krankenakten von jemandem überprüfte, der zum Sterben bestimmt war. Auf keinen Fall würde diese Person zurückkommen. 

Tatsächlich schätzten meine Ärzte zu Beginn meines Komas, dass ich eine Überlebenschance von 10 Prozent hatte. Mein Zustand war verheerend, ich war ich binnen drei Stunden schnell ins Koma gefallen, hatte drei verschiedenen Antibiotika erhalten und hing die ganze Woche an einem Beatmungsgerät, ohne dass es Anzeichen einer neurologischen Verbesserung gab. 

Also dachten meine Ärzte, ich sei verloren, und sie schätzten meine Überlebenschance auf nur noch 2 Prozent ein – allerdings ohne jede Aussicht auf Genesung. Sie sagten: „Vergiss es! Sieben Tage im Koma aufgrund gramnegativer bakterieller Meningitis mit Hirnstammschaden am ersten Tag, vergiss es! Bestenfalls wird er ein paar Monate in einem Pflegeheim verbringen und dann sterben.“ Deshalb haben sie meiner Familie geraten, die medizinische Behandlung zu stoppen.

An einem Sonntagmorgen gab es dann eine Familienzusammenkunft, bei der empfohlen wurde, mich sterben zu lassen. Mein jüngster Sohn Bond stand vor der Türe, war er gerade zehn Jahre alt. Man hatte ihn bisher vor den schlechten Nachrichten über meinen Zustand geschützt. Aber als er nun hörte, was die Ärzte sagten, wusste er, wie schrecklich die Situation war. Also rannte er den Flur hinunter zu den Betten auf der Intensivstation. Dort lag ich mit zugeklebten Augen auf einem der Betten, angeschlossen am Beatmungsgerät, es war mein siebter Tag im Koma. Und er zog meine Augenlider auf, und ich garantiere Ihnen, ich habe ihn weder gesehen noch gehört.

Tatsächlich sahen meine Augen in gegensätzliche Richtungen. Die Pupillen waren fixiert. Wer medizinisch tätig ist, weiß, dass dies ein schreckliches, ein wirklich schreckliches Bild von jemandem ist, der im Prinzip beinahe tot ist. Aber irgendwie, tief im geistigen Reich, drang er zu mir durch. Er war das sechste Gesicht, welches ich sah, und es war wie eine Bitte an mich: „Papa, du wirst wieder in Ordnung sein! Papa, du wirst in Ordnung sein!“ Als ob das irgendwie so passieren könnte. Natürlich habe ich die Worte nicht verstanden. Aber da war diese emotionale Verbindung zwischen uns.

Während meiner Reise hatte ich immer gedacht, es kann so weitergehen, es spielt keine Rolle, was kommt. Aber jetzt, als ich plötzlich sein Gesicht sah, das flehende kleine Kind: „Papa, Du kommst wieder in Ordnung“ … Mir war noch nicht bewusst, wer er war, aber die emotionale Verbindung mit ihm war so stark, dass ich wusste, ich muss in diese Welt zurückkehren.

Fast immer während dieser Reise war ich furchtlos gewesen, weil es um nichts zu gehen schien. Aber jetzt, am Ende, verspürte ich enorme Angst und Besorgnis, weil mir klar wurde: Es geht um etwas. Irgendwie musste ich also klarkommen und aus diesen tiefen, spirituellen Bereichen zurück kehren in meinen Körper, um bei ihm zu sein, ihm zu helfen. 

Das war sozusagen die letzte Phase meines Komas. Aber dann war da noch dieser längere Zeitraum von etwa zwei Monaten, zur Wiederherstellung all meines Wissens und meiner Erinnerungen. Viel Interessantes kam durch Gespräche mit engen Freunden und meiner Familie zutage.

Ich stellte fest, dass ein Großteil meiner Erinnerungen nach diesen zwei Regenerationsmonaten vollständiger und besser integriert waren, als vor dem Koma. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den wir auch in „Tore ins unendliche Bewusstsein“ thematisiert haben. 

Das alles hat damit zu tun, dass unsere Erfahrungen und Erinnerungen nicht in der physischen Welt erzeugt werden. Sie werden nur durch dieses reduzierende Ventil oder den Mechanismus des Gehirns gefiltert.

Die Filtertheorie gibt es seit dem späten 19. Jahrhundert, als William James, der Leiter der Psychologie in Harvard, diesen Begriff einführte. F. C. S. Schiller sprach darüber, Aldous Huxley in den USA, Henri Bergson in Frankreich, alle diese tiefgründigen Denker betrachteten das Gehirn als einen Filter, der den Eintritt des ursprünglichen Bewusstseins ermöglicht.

Können Sie etwas mehr über diese Filtertheorie erzählen? Sie ist ja nicht allgemein bekannt.

ALEXANDER: Die Filtertheorie geht davon aus, dass Bewusstsein selbst eine grundlegende Eigenschaft des Universums ist, eine Art Selbstbewusstsein. In einem umfassenden Sinn müssten wir tatsächlich sagen, dass das gesamte beobachtbare physische Universum bis zurück zum Urknall und wahrscheinlich noch davor, was immer davor war, im Bewusstsein enthalten ist, nicht umgekehrt.

Bewusstsein geht also nicht aus der physischen Materie hervor. Die Interaktion im Gehirn des physischen Körpers mit dem Bewusstsein ist eine, bei der das Gehirn mit seiner nahezu unendlichen Anzahl von Quantenzuständen, all den Ionenkanälen und Neuronen, eine beliebige Realität manifestieren kann, top-down, ausgehend vom Geistigen, vom ursprünglichen Bewusstsein.

Ich glaube, dass die Filtertheorie sehr gute Erklärungen liefert. Viele aktuelle Bücher, nicht nur unseres – „Tore ins unendliche Bewusstsein“ – befassen sich damit. Auch die unglaublich starke wissenschaftliche Reihe der Universität von Virginia, Ed Kellys „Irreducible Mind“, „Beyond Physicalism “ und das neueste, „Consciousness Unbound“. 

Diese drei Bücher bieten eine unglaubliche Tiefe, sie tauchen naturwissenschaftlich und philosophisch in die Natur des Bewusstseins ein. Sie stützen sich ziemlich stark auf die Filtertheorie und dass es diese Art von Quantenzuständen gibt, die von der geistigen Ebene in einer von dort ausgehenden Kausalität zugelassen werden. Dadurch entsteht die Realitätssicht, in der das Gehirn als Filter dient. 

Für diese Sicht sprechen auch neurowissenschaftliche Hinweise, die sich auf Telepathie oder Fernwahrnehmung beziehen, die Fähigkeit, Informationen aus großer Entfernung oder durch die Zeiten aufzunehmen, außerkörperliche Erfahrungen usw. Ganz zu schweigen von Nahtoderfahrungen oder empathischen Todes-Erlebnissen, die der Nahtoderfahrung sehr ähnlich sind, aber vermehrt bei Menschen auftreten, die vollkommen gesund und physiologisch normal sind. Das ist der Grund, warum eine empathische Todeserfahrung für die materialistische Denkweise besonders herausfordernd ist, die dem Phänomen NTE ja mit der Pseudo-Erklärung von verringertem Sauerstoff oder erhöhtem CO2-Gehalt begegnet.

Was geschieht während einer empathischen Todeserfahrung?

ALEXANDER: Dazu kann es kommen, wenn ein geliebter – in der Regel ein geliebter – Mensch die physische Welt verlässt. Jemand kann zum Beispiel tausende Kilometer entfernt von seiner Mutter sein, aber es ist ihm plötzlich bewusst, dass sie stirbt. Ihre Seele streift ihn und er weiß: „Sie geht fort.“ Es kann sogar so weit kommen, dass seine eigene Seele wie ein Zuschauer die Erlebnisse der scheidenden Seele beobachten darf, einschließlich ihres Lebensfilms.

Ich denke, das ist wirklich erstaunlich. Es handelt sich um einen geliebten Menschen, der vollkommen gesund ist, und es spielt keine Rolle, ob er am nun am Bett des sterbenden Familienmitglieds sitzt oder Tausende von Kilometern entfernt ist. Die abreisende Seele nimmt den geliebten Menschen oft auf die Reise mit. Die beobachtende Seele kann auch den Lebensfilm sehen, bevor sie wieder in diese Welt zurückkehrt. 

Von dieser erstaunlichen Erfahrung habe ich erstmals über Raymond Moody erfahren. Er schrieb  darüber 1975 in seinem Buch „Leben nach dem Tod“, in dem er auch den Begriff „Nahtoderfahrung“ geprägt hat. Er ist in vielerlei Hinsicht der Vater dieses Forschungsgebietes.

Moody schrieb ein weiteres Buch, ich meine, es war im Jahr 2011: „Glimpses of Eternity“. Darin geht es hauptsächlich um empathische Todeserfahrungen. Er befasst sich damit schon ebenso lange wie mit Nahtoderfahrungen, weil er davon schon bei einer seiner ersten Begegnungen in den 1970-er Jahren gehört hatte. Damals hatte eine Pflegekraft eine empathische Todeserfahrung, sie ging mit der Seele der Mutter mit und kehrte dann wieder zurück.

Ich habe viele ähnliche Geschichten gehört. Bei meinen Vorträgen im Vorfeld zur Buchveröffentlichung „Blick in die Ewigkeit“ kamen viele Hörer zu mir, um über ihre eigenen Nahtoderfahrungen zu sprechen, und einige erzählten eben auch von empathischen Todeserfahrungen.

Ich dachte mir: „Wow, wie ist das möglich?“ Ich wusste nicht einmal, wie ich es benennen sollte. Aber als ich dann „Glimpses of Eternity“ von Raymond Moody las, der ein guter Freund von uns ist, wurde mir klar, dass dies eine empathische Todeserfahrung war. Sie kommen ziemlich häufig vor. Immer wieder erzählen mir Menschen davon, manche dieser Erfahrungen sind atemberaubend.

Man hört diese Geschichten und fragt sich angesichts der Tatsache, wie verbreitet solche Erfahrungen sind, warum die rein materialistische Denkweise, derzufolge das Gehirn Bewusstsein erschafft, nicht bereits vor Jahrzehnten aufgegeben wurde.

Ich glaube, wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem wir den Beweisen mehr Beachtung schenken müssen, denn die Beweise sind überwältigend. Ich meine, es gibt zig Millionen Menschen, die solche Erfahrungen gemacht haben und auf diese Welt zurückkehren. Sie wissen nicht unbedingt, wie sie es sich erklären sollen. Und manchmal denken sie, sie wären ein bisschen verrückt geworden, deshalb sind sie vielleicht nicht bereit, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Mit meinem Buch „Blick in die Ewigkeit“ lade ich sie dazu ein – und sie teilen ihre Geschichten mit mir. Diese Zusammenarbeit ist ein wunderschönes Geschenk, das immer wieder neu genau das bestätigt, von dem wir hier sprechen, dass nämlich Bewusstseins das Ursprüngliche ist.

Es ist Ihnen sicher bekannt, dass skeptische Wissenschaftler eine ganze Liste von Einwänden oder Erklärungen parat haben, wie Nahtoderfahrungen entstehen könnten. Beispielsweise wird von der  elektrischen Stimulation bestimmter Gehirnareale gesprochen, durch die es möglich sei, außerkörperliche Erfahrungen hervorzurufen. Auch werden Drogen oder die Ausschüttung von Endorphinen angeführt. Was ist Ihre Perspektive? Was sagen sie zu solchen Argumenten?

ALEXANDER: Ich bin mit diesen Einwänden sehr vertraut, weil ich diese Argumente schon lange vor meinem Koma kannte, als ich selbst die Auffassung vertrat, dass Nahtoderfahrungen nur ein Mechanismus des sterbenden Gehirns zur Beruhigung wären – und nichts weiter.

Natürlich kann es auch zu einem Sauerstoffmangel kommen. Aber wenn Sie versuchen, jedes der bekannten Argumente auf jeden einzelnen Fall zu beziehen, merken Sie, dass sie völlig versagen.

Wissenschaftler sind normalerweise sehr wählerisch in Bezug auf das, was sie zu korrelieren versuchen, um etwas zu erklären. Aber in diesen Fällen ignorieren sie wichtige Beweise und behaupten einfach: „Nein, das ist nicht wahr“, wenn etwas nicht ihrer „Entlarvungs-Theorie“ entspricht. Und diese Entlarvung-Theorien sind unglaublich schwach.

Wenn man dann noch die wirklich schädlichen Aspekte der materialistischen Wissenschaft betrachtet, zum Beispiel den Versuch, den freien Willen des Menschen zu leugnen, erkennt man, wie falsch und irreführend diese Art des Denkens sein kann.

Die heutige Realität in der wissenschaftlichen Gemeinschaft ist meines Erachtens, dass die Fürsprecher des materialistischen Modells im Allgemeinen absichtlich unwissend sind. Denn sie weigern sich, die Daten zu studieren. 

Auf ebenalexander.com finden Sie zum Beispiel eine Liste mit mehr als 100 Büchern und Artikeln, viele davon mit Live-Links, die direkt mit wissenschaftlichen Arbeiten verknüpft sind. Jeder Wissenschaftler, jeder Mensch, der diese Daten studiert, kann erkennen, dass die materialistischen Pseudo-Erklärungen dadurch völlig hinfällig werden. Deshalb spreche ich nicht von Skeptikern, sondern von Pseudo-Skeptikern. Sie kümmern sich nicht um empirische Daten oder rationale Argumente. Alle diese Dinge spielen keine Rolle. Denn sie haben sich entschieden: „Gehirn schafft Bewusstsein. Das Physische ist alles was existiert.“ Sie wollen nichts anderes hören oder mehr wissen.

Aber in letzter Zeit ist es schwieriger für sie geworden. Ich nehme seit zwölf Jahren an Interviews teil, und von Beginn an haben die Interviewer versucht, materialistische Wissenschaftler zu finden, die meinen Behauptungen widersprechen. Aber solche sind zunehmend schwer zu finden, denn sobald sie anfangen, die Gegebenheiten tatsächlich zu untersuchen, stellen sie fest, dass sie falsch liegen.

Warum also weiter reden, wenn man absolut falsch liegt? Einige denken auch um und kommen zu dem richtigen Schluss, dass das Bewusstsein ein tiefes Mysterium ist, dass es, wie alle Belege zeigen, wirklich ursprünglich und ganzheitlich ist.

Wir alle teilen dieses sozusagen göttliche Bewusstsein. Und das ist eine sehr wichtige Feststellung für diese Welt, denn so viel von dem Schaden, der in den vergangenen Jahrhunderten angerichtet wurde, ist auf die Trennung von Wissenschaft und Technologie und den vom Geist geführten menschlichen Intellekt zurückzuführen.

Ich behaupte, dass die Chemiker ihre Sünden im Ersten Weltkrieg begingen, als sie Maschinengewehre, hoch explosive Substanzen, giftige Gasen usw. entwickelten. Die Physiker im Zweiten Weltkrieg haben gesündigt, indem sie Atomwaffen entwickelten. Und wenn wir dumm genug für einen dritten Weltkrieg sind, wird er mit Stöcken und Steinen ausgetragen. Ich paraphrasiere hier Albert Einstein. Aber die Realität ist, dass schon eine Menge Schaden angerichtet wurde.

Wissen Sie, ich liebe die Fortschritte der Wissenschaft. Als Arzt habe ich an der Entwicklung wichtiger Technologien gearbeitet. Wenn ich aber auf die letzten Jahrhunderte zurückblicke, sehe ich auch viel Schaden, der durch die Trennung der Wissenschaft von unserem Geist angerichtet wurde. Dazu zählen beispielsweise der Klimawandel, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen oder die Tatsache, dass mehr als 35.000 Arten auf der Erde vom Aussterben bedroht sind. Alles aufgrund unseres eigenen Wahnsinns, wie wir die Welt verschmutzen und sie mit Dreck überziehen. Im Osten des Pazifischen Ozeans schwimmt eine Insel aus verbrauchten Plastiktüten, die doppelt so groß ist wie Texas. Das ist Wahnsinn. Eine Spezies ermordet im Grunde genommen diesen ganzen Planeten durch ihre Dummheit. Da stellt man sich schon in Frage. Wir nennen uns „Homo sapiens“, „sapiens“ bedeutet weise. Nun, wenn ich mir die Umweltverschmutzung, die Ausrottung bedrohter Arten und die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, ansehe, dann sehe ich Krieg, Konflikt, wirtschaftliche Polarisierung, bei der die Reichsten, 1 Prozent der Bevölkerung, mehr Wohlstand haben als die untersten 40 oder 50 Prozent. Das alles ist Wahnsinn, der die Einheit und Ganzheit des Bewusstseins nicht kennt. 

Für Nahtoderfahrene ist das besonders offensichtlich. Nahtoderfahrungen sind übrigens nichts Neues, sie sind seit tausenden Jahren bekannt. Sie können darüber zum Beispiel schon bei Plato lesen – über einen armenischen Soldaten, der vor 2400 Jahren getötet worden war. Und die meines Erachtens tief greifendste Lehre aus Nahtoderfahrungen ist, dass wir alle Teil dieses einen Geistes sind. Dass die goldene Regel, andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte, tief im Universum verankert ist. Das wird nicht nur durch Nahtoderfahrungen, sondern auch und durch viele andere Aspekte im Leben veranschaulicht. Liebe, Güte, Mitgefühl, sich umeinander kümmern – das sind die tiefen Lehren aus Nahtoderfahrungen, die wir wirklich in der modernen Welt etablieren müssen, wenn wir überleben möchten. Und wenn wir „Homo sapiens“ sein wollen, besteht der einzige Weg, dies wirklich zu leben, darin, diese Weisheit zu erlangen und die Weisheit liegt vor allem in dem Verantwortungsbewusstsein für unsere Entscheidungen. Ich denke, dass diese Botschaft für die heutige Welt extrem wichtig ist.

Warum denken Sie, nehmen viele Menschen Wissenschaft und Spiritualität immer noch beinahe wie einen Widerspruch wahr?

ALEXANDER: Ich denke, das liegt daran, dass sich die Presse und viele Wissenschaftler, die in großen Medien Gehör finden, nach wie vor in einer newtonisch-deterministischen Weltanschauung befinden, wie in der Zeit vor der Quantenphysik. Die materialistische Sicht sieht nur getrennte Objekte. Und man denke an die Fehlinterpretationen der darwinistischen Evolutionstheorie im 20. Jahrhundert. Leute wie Thomas Huxley postulierten die Idee einer Art bewaffneten Evolution, in der nur die stärksten Einzelnen überleben. Sie zerstören ihre Konkurrenten, um zu gewinnen. Tatsache ist allerdings, und da würden heute alle Biologen zustimmen, dass es in der Evolution um Zusammenarbeit geht, um Kooperation. Im Tierreich gibt es eindrucksvolle Beispiele für gegenseitige Hilfe. Wir sind da, um uns gegenseitig zu unterstützen.

Aber die falsche Vorstellung einer hyper-wettbewerbsorientierten Evolution ist in viele unserer sozialen, wirtschaftlichen und juristischen Systeme eingedrungen. Die Idee des „Überlebens der Stärksten“ hat unsere Wirtschaftssysteme beeinflusst, polarisiert und Sozialhilfen erschwert.

Und dieser gebündelte Wahnsinn resultierte aus einer Fehlinterpretation der darwinistischen Selektion, dem Fokus auf Wettbewerb im Gegensatz zu Zusammenarbeit und Kooperation. All das, verbunden mit dem irrtümlichen Gefühl des Voneinander-getrennt-Seins, stammt wirklich aus der Zeit vor der Entdeckung der Quantenwelt.

In dieser erkennen wir nämlich unsere Verbundenheit viel tiefer – in diesem einen Geiste. Ich möchte das Buch eines guten Freundes, Dr. Larry Dossey, wärmstens empfehlen. Es heißt „One Mind – Alles ist mit allem verbunden“ und bringt starke Belege dafür, dass, das nicht nur Menschen, sondern auch Tiere betrifft. Wir teilen alle ein Bewusstsein. 

Materialistische Weltmodelle leugnen die Existenz solcher Belege und sehen uns in einem Wettstreit. Wenn quasi nur ich überlebe, als der Stärkste,  und alles andere abstirbt, dann sei das gut für die Welt. Das ist falsch. 

Ein Denken, das quantenphysikalischen Erkenntnissen folgt, wie wir die fortschreitende Quantenphysik in unserer Arbeit interpretieren, umfasst ähnliche Begriffe wie der Idealismus von Bernardo Kastrup. Es verhilft uns zu einer besseren Grundlage, um als wirklich weiser Homo Sapiens gute Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

Aber wir brauchen einen Wendepunkt, und ich denke, wir nähern uns diesem sehr schnell. Natürlich bin ich mir bewusst, dass mein „Blick in die Ewigkeit“ vor 12 Jahren publiziert wurde, und dass 13 Jahre seit meinem Koma vergangen sind. Ich bin sozusagen neu in diesem Spiel. Aber für mich scheint sich die Welt sehr drastisch zu verändern.

Ich kommuniziere mit vielen Wissenschaftlern auf der ganzen Welt. Unsere Vorstellungen von Bewusstsein, Geist und Gehirn entwickeln sich deutlich in die Richtung einer vollen Anerkennung des freien Willens eines höheren Selbst – was man ja auch den Nahtoderfahrungen entnehmen kann. Und all diese Informationen deuten darauf hin, dass das Bewusstsein selbst der Ursprung von allem ist.

Aber wie ich bereits sagte, es wird schwieriger, materialistische Wissenschaftler zu finden, die darüber debattieren, denn sobald sie sich die Belege näher ansehen, erkennen sie, dass es sich bei dem, worüber ich und viele andere Wissenschaftler sprechen, um die Wahrheit handelt.

Im langen Bogen der Geschichte zeigen sich zuletzt Gerechtigkeit und Wahrheit. Das werden wir auch hier sehen. Ich bin mir nicht sicher, ob es ein oder zwei Jahrzehnte dauern wird. Aber ich bin überzeugt, dass dieses Erwachen kommt, in dem es um die Antwort auf die Frage der Natur der Realität geht, die der Mensch seit 5.000 Jahren stellt. Wir werden sie finden, aber es hängt stark von der Ernsthaftigkeit der Wissenschaft ab. Wissenschaft ist wichtig.

Mehr als 5000 Jahre lang waren diese anderen Welten die Sache religiöser Systeme. Jetzt helfen uns Nahtoderfahrungen, einen Zugang zu finden. Und es gibt auch die Hoffnung, dass Menschen durch Gebete und Meditation oder ähnliches die gleiche tiefe Wahrheit erfahren und schätzen könnten. Aber wir haben jetzt eben auch die objektive Linse der Wissenschaft, die uns hilft, die tiefe Wahrheit in all dem erkennen zu können. Die menschlichen Erfahrungen und die Natur der Realität aus wissenschaftlicher Sicht zu betrachten trägt zur Entwicklung einer ganzheitlicheren und einheitlicheren Vision von einem gemeinsamen Sein bei.

Gehören diese Wissenschaftler, mit denen Sie sich austauschen und die ähnliche Gedanken wie Sie haben, zum Mainstream oder würden Sie sagen, dass sie eher am Rand stehen?

ALEXANDER: Ich würde heute sagen, dass sie etwas mehr am Rande stehen. Ein Grund dafür ist, dass einige Konzepte wirklich sehr, sehr tiefgreifend sind. Nicht von ungefähr kämpft unsere wissenschaftliche Gemeinschaft seit mehr als einem Jahrhundert damit, die Quantenphysik zu verstehen. Und die grundlegendste These, die man aus dem Bereich der Quantenphysik ableiten kann, ist, dass der Geist über allem steht.

Das geht wirklich tief. Die Thematik ist nicht trivial und einfach, wenn man sie allein intellektuell verstehen will. Deshalb sind Meditation und zentrierende Gebete so hilfreich. Niemand muss warten, bis die wissenschaftliche Gemeinschaft mit an Bord kommt. Jeder Einzelne kann die Weltbild-Revolution auf eigene Faust erfahren – und seine Erkenntnisse weitergeben. 

Wir sprechen hier darüber, dass Geist über der Materie steht. Und bei diesem Konzept sprechen wir von einem geistigen Universum. Davon, dass der Geist einen enormen Einfluss auf materielle Ausprägungen hat. Ein perfektes Beispiel dafür ist etwas, an das sich die Medizin in den letzten sechs Jahrzehnten gewöhnt hat: der Placebo-Effekt. Er ist das Eingeständnis, dass die Gedanken, Einstellungen und Überzeugungen eines Patienten eine enorme Rolle bei seiner Heilung spielen können. Wenn Sie Big Pharma fragen: Ist der Placebo-Effekt real? Ja! Für sie ist es schrecklich, weil sie dadurch eine 30-prozentige Barriere überwinden müssen, die nur da ist, weil der Patient glaubt, dass es ihm besser gehen wird. Das ist es, was der Placeboarm einer Studie misst: die natürlichen Gegebenheiten und die Wirkung der eigenen Einstellung und Überzeugung eines Patienten im Sinne einer gesundheitlichen Besserung.

Und dabei geht es nicht nur um die Zuckerpille, die Kopfschmerzen heilt. Wenn Sie auf noetic.org gehen, das ist die Website des Instituts für Noetische Wissenschaften, und den Suchbegriff „Spontanremission“ eingeben, werden Sie ein Buch entdecken, das 1995 veröffentlicht wurde. Es dokumentiert mehr als 3.500 Fälle außergewöhnlicher Heilung, die weit über die Erwartungen einer medizinischen Intervention bei Krebserkrankungen oder Infektionen hinausgehen, manchmal sogar bei angeborenen Missbildungen, bei denen Menschen mit bestimmten Konditionen geboren wurden. In allen diesen Fällen zeigte sich eine enorme Verbesserung, weil Geist auf die Materie einwirkte. Durch Gebete, die spirituelle Modulationen seiner Emotionen und solche Dinge wurde es Betroffenen möglich, sich zu heilen.

Ich denke, dass solche Heilungen sehr plakativ demonstrieren, dass der Geist fähig ist, über der Materie zu stehen. Glücklicherweise überarbeitet das Institut für Noetische Wissenschaften gerade seine gesamte Datenbank. Sie fügen die Daten von mehr als 25 Jahren hinzu. Ich kann es kaum erwarten, dieses Projekt und all die Fälle auf ihrem Weg weiter zu verfolgen.

Ich möchte auch anmerken, dass es ein Buch von Kelly Turner gibt, „9 Wege in ein krebsfreies Leben – Wahre Geschichten von geheilten Menschen“. Sie überprüfte mehr als tausend Krebsfälle in dieser Datenbank und schrieb dann dieses wunderschöne Buch, in dem es um Hilfen dafür geht, einen Krebs loswerden zu können – durch eine entsprechende Einstellung, Emotionen, Meditation, das Zentrieren im Gebet und ähnliche Methoden.

Die außergewöhnlichen Bemühungen dieser Mediziner führen uns die eigene Macht über unsere Gesundheit und Heilung vor Augen. Körperlich, geistig, emotional – alles ist eine Form der geistigen oder spirituellen Gesundheit. Und wenn ich spirituell sage, dann meine ich damit nicht Religion. Spirituell kann einfach das Konzept sein, dass wir alle in diesem einen Geist miteinander verbunden sind, dass alles einem tieferen Sinn und Zweck dient, und dass es in unserem Leben um Wachstum und Transformation geht.

Es ist erstaunlich, wie weit der Einzelne mit den jetzt bereits vorhandenen Möglichkeiten gehen kann. Wer sich ein mächtiges Werkzeug wünscht, um tief ins Bewusstsein zu gelangen und den freien Willen seiner höheren Seele zu manifestieren, den möchte ich an dieser Stelle auf sacredacoustics.com verweisen.

Ich will dabei offen sein: „Sacred Acoustics“ wurde von meiner Lebenspartnerin und Mitautorin meines dritten Buches „Tore ins unendliche Bewusstsein“, Karen Newell, gegründet. Aber ich war es, der vor mehr als einem Jahrzehnt Karen und ihren Geschäftspartner, den Audioingenieur Kevin Kossi, dazu ermutigt hat, ihre Arbeit mit Sacred Acoustics zu veröffentlichen, denn ich hatte ihre Klänge schon lange vorher benutzt – und war absolut erstaunt darüber, wie leicht sie es mir machten, eine Geisteshaltung einzunehmen, mit der ich zu meiner Nahtoderfahrung zurückkehren konnte.

Sie sprechen davon, Sounds  zu verwenden, um in einen meditativen Zustand zu gelangen?

ALEXANDER: Richtig, es geht um das Benutzen von sogenannten binauralen Beats. Binaurale Beats sind eine sehr, sehr spezifische Klangform. Sie wurde erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts von einem preußischen Physiker namens Wilhelm Heinrich Dove entdeckt. Er fand heraus, dass beim Setzen eines Tones, zum Beispiel 100 Hertz, 100 Zyklen pro Sekunde in einem Ohr, und einer etwas anderen Frequenz, sagen wir 104 Hertz, im anderen Ohr, irgendwo im Gehirn ein schwankendes Signal erzeugt wird, entsprechend der arithmetischen Differenz zwischen diesen beiden Eingangssignalen. Wir wissen inzwischen, dass das wahrscheinlich im unteren Hirnstamm, im sogenannten Olivenkomplex geschieht.

Das ist wichtig, weil es in allen Überlegungen der moderner Neurowissenschaften dahingehend, wie der Antrieb des Bewusstseins mit dem Gehirn zusammenhängt – egal, ob man von der Erzeugungstheorie oder vom Filtermodell ausgeht – um die kortikalen Schleifen des Filaments geht, die ein Teil des Neokortex sind, des mächtigsten Taschenrechners, den wir haben.

Deshalb war meine Nahtoderfahrung so wunderbar. Die sehr spezifische Zerstörung meines Neokortex ermöglichte mir diese Art von erweitertem Bewusstsein.

Töne beeinflussen die Struktur im unteren Hirnstamm. Die meisten Geräusche, die Sie jemals gehört haben, wie Gesänge, Hymnen, Töne usw., werden alle im Neokortex verarbeitet, im akustischen Kortex der Temporallappen. Das sind Schaltkreise, die sich in den letzten paar Millionen Jahren der Evolution bei Primaten und Menschen entwickelt haben.

Ganz anders ist es bei den binauralen Beats, die den unteren Hirnstamm beeinflussen, in einem Schaltkreis, der vor mehr als 300 Millionen Jahren entstanden ist.

In der Evolutionsbiologie gibt es ein allgemeines Prinzip: Wenn Sie wirklich tief in eine bestimmte Funktion eintauchen möchten, berücksichtigen Sie die zeitliche Entwicklung der Anatomie. Daher erscheint die Möglichkeit, jene sehr primitive Schaltung zu beeinflussen, die schon entstand, bevor Säugetiere die Erde betretet haben, als sehr effektiv.
Ursprünglich diente dieser Schaltkreis der Lokalisierung. Und so funktioniert er immer noch. Wenn ich ein Geräusch hinter meinem Kopf höre, misst er die Ankunftszeit der Schallwelle zu meinen beiden Ohren, die etwa 300 Meter pro Sekunde zurücklegt, und mit diesem winzigen Abstand zwischen meinen Ohren kann der Hirnstammkreislauf die Zeit bis zu einer Zehntel Mikrosekunde genau messen.

Das Interessante ist, dass Sie durch die Beeinflussung des Modulationskreislaufs auf dieser sehr primitiven Ebene der Evolutionsbiologie einen enormen Einfluss auf das Bewusstsein haben und Ihr Bewusstsein Sie von der Illusion des Hier und Jetzt und der Illusion des Selbst befreien und in dieses viel weitere ursprüngliche Bewusstsein führen kann.

Die Stimulation durch binaurale Beats kann meines Erachtens sehr machtvoll wirken. Es gibt ein Buch von Dr. Christopher Bache, „Dark Night, Early Dawn.” Er ist ein wissenschaftlicher Forscher aus Ohio, der seit vielen Jahrzehnten hohe Dosen LSD für spirituelle Reisen eingesetzt hat. Er verwendete außerdem in den späten 1990-er Jahren binaurale Beats zur Stimulation der Gehirnwellen. In seinem Buch macht er deutlich, dass Sie mit Hilfe von binauralen Beats und mit einem speziellen Programm große Fortschritte machen können. Über einen längeren Zeitraum hinweg erscheint so viel Fortschritt möglich, wie mit psychedelischer Arbeit. Und wenn Sie genauer darüber nachdenken, werden Sie feststellen, dass die Psychedelika das Bewusstsein nur oberflächlich beeinflussen, indem sie Ihren Neokortex beeinflussen, denn dort wirken die meisten psychedelischen Rezeptoren, Serotoninrezeptoren. Aber wenn Sie in diesen unteren Hirnstamm, tiefer in den Ursprung vordringen, setzen Sie das Bewusstsein viel effektiver frei, als wenn Sie nur den Neokortex mit Psychedelika kitzeln. Deshalb glaube ich, dass Menschen mit einem speziellen Programm durch so etwas wie binaurale Beats viel Kraft dafür erhalten können, um das Bewusstsein im Wesentlichen zu erforschen.

An welchen Themen oder Bereichen sind Sie derzeit am meisten interessiert?

ALEXANDER: Ich bin absolut fasziniert von den Themen Bewusstsein, Geist über Materie, Placebo-Effekt und wundersame Heilungen. Die beeindruckendsten Beispiele dafür liefern Nahtoderfahrungen. Viele davon gehen mit einer Heilung einher, die weit über das hinaus geht, was die moderne Medizin für möglich hält. Mein Fall ist ein perfektes Beispiel. Wie Sie wissen, wurde darüber im „Journal of Nervous and Mental Disease“ vom September 2018 berichtet – von Dr. Surbhi Khanna, Dr. Bruce Greyson und einigen anderen. 

Bruce Greyson hat kürzlich sein Buch „Nahtod – Grenzerfahrungen zwischen den Welten“ veröffentlicht, und das 10. Kapitel ist im Grunde genommen meinem Fall gewidmet.

Ich bin einfach fasziniert von all den Aspekten der Heilung – und damit meine ich ganzheitliche Heilung. Heil sein bedeutet ganz sein, das Wort Heilung deutet auf die gleiche Wurzel wie Ganzheit.

Ich glaube, dass wir existieren, um uns zu entwickeln und zu transformieren. Das Universum entwickelt sich, das Bewusstsein entwickelt sich. Das bedeutet zugleich, dass einzelne empfindende Wesen an dieser großen Erkundung des wahren freien Willens ihrer höheren Seele teilnehmen. Und ich bin fasziniert von den wissenschaftlichen Aspekten und deren Auswirkungen auf die gesamte Menschheit.

Das aktuelle Weltgeschehen zeigt Leid, Schmerz, ökonomische Polarisierung und viele andere Dinge, die nicht sein müssten, die einfach falsch sind. Und ich glaube, in die Ganzheit zu kommen, bedeutet viel mehr Freundlichkeit, Mitgefühl, Liebe zu anderen, Zuspruch und Gesundheit – statt unternehmerischer Gier, die unsere Welt verschmutzt und zerstört. In den Unternehmen würde man in größeren Zusammenhängen denken und das höchste Wohl für alle Beteiligten im Blick haben.

In dieser Welt könnte eine ideale Utopie verwirklicht werden, wenn wir in dieses tiefere Wissen eintreten und in wahre Weisheit hineinwachsen, statt weiterhin im materialistischen Denken des 20. und frühen 21. Jahrhunderts zu mäandern, in dieser Jeder-gegen-jeden-Mentalität, die ganz im Gegensatz steht zu einer aus der Quantenwelt inspirierten Einheit und einer Sinnorientierung, die zu Gesundheit, Heilung und Ganzheit führt. Das ist es, womit ich mich befasse, und ich glaube, dass uns letztlich die Wissenschaft den Weg dorthin weist.

Warum zeigen sich wunderbare Heilungen nach Ihrer Meinung häufiger nach Nahtoderfahrungen?

ALEXANDER: Es liegt daran, dass man diese Liebe, diese liebende Kraft wirklich berührt. Es ist etwas, das ich so schön und vollständig im Kern-Reich miterleben durfte. Ich wurde zu dieser Liebe. Menschen können sich dort nicht in einem Ego verwickeln. Der Verstand, die Gedanken in unserem Kopf – daraus entsteht unser Ego.

Dieses Ego ist wie ein einfacher, aber beeindruckender Taschenspielertrick. Es repräsentiert nicht wirklich uns. Wer wir wirklich sind, kann erkannt werden, indem man tief ins Innere geht, der kleinen Ego-Stimme eine Auszeit gibt und dann beginnt, den Reichtum des ursprünglichen Geistes und Bewusstseins zu erforschen, sozusagen über den Schleier hinaus. Deshalb kann Meditation so wirkungsvoll sein. Aber natürlich ist es ebenso wichtig, dieses Leben zu leben.

Die mit Abstand wichtigste Lehre aus Nahtoderfahrungen betrifft nicht die Frage, was passiert, wenn ich sterbe, sondern die Erkenntnis: Wie lebe ich dieses Leben heute, so dass ich in dem Moment, wenn ich tatsächlich hinüber gehe, es guten Gewissens tun kann, weil ich alles getan habe, um zu wachsen, mich zu verwandeln und zu der Seele zu reifen, die ich werden sollte, weswegen ich hierher gekommen war. Und so hängt unsere tägliche Lebensweise entscheidend von dieser Art von Wissen und Verständnis ab. Deshalb ist es empfehlenswert, sich jetzt darauf einzulassen. Damit Sie, sobald Sie diese Welt verlassen, keinen Lebensrückblick mit einer Reihe von schmerzhaften Ereignissen durchleben müssen.

Und wenn Sie in Betracht ziehen, dass die wissenschaftlichen Daten von uvadops.org mehr als 2500 Fälle von Erinnerungen an vergangene Leben bei Kindern beinhalten, was auf die Reinkarnation hindeutet, dann ist natürlich auch anzunehmen, dass wir in irgendeiner Form zurückkehren werden. Es wird nicht Ihr Ego von jetzt sein. Aber in gewissem Sinne tragen wir alle Erinnerungen an vergangene Leben in uns, sie werden in der Regel im Alter von etwa fünf oder sechs Jahren verdeckt, wie es Dr. Jim Tucker und Dr. Ian Stevenson aus den Daten herausarbeiten konnten. Aber diese Erinnerungen sind trotzdem noch sehr tief verankert.

Es erscheint naheliegend, dass die transpersonale Psychologie des letzten halben Jahrhunderts, angefangen mit der Arbeit von Carl Jung, weiter mit Charles T. Art, Brian Weiss, Michael Newton, Stan Grof und anderen brillanten Forschern, erkannt hat, dass wir, um die Probleme und Herausforderungen in diesem Leben wirklich verstehen und lösen zu können, anerkennen müssen, dass unsere Seele in anderen Leben schon hier war. Auch wenn diese Erinnerungen über die frühe Kindheit hinweg verschleiert wurden, sind sie da, und die transpersonale Psychologie hat in den letzten Jahrzehnten mehr als 100.000 Menschen geholfen, die erkannt haben, dass Rückführungen in frühere Leben oder zwischen die Leben zu einem tieferen Verständnis ihrer Seelenreise beitragen und helfen können, sich den Problemen zu stellen, die sie in diesem Leben haben, Schwierigkeiten als Herausforderungen sinnvoll zu nutzen. Und das ist ein Meilenstein, der Wachstum ermöglicht. Denn im Wesentlichen sind es die Tiefen und Schwierigkeiten im Leben, die Wegweiser nach vorne aufzeigen, damit unsere Seelen wachsen können.

Die Reinkarnation scheint aber in Nahtoderfahrungen kein wichtiges Thema zu sein. Oder irre ich mich damit?

ALEXANDER: Oft wird sie in den tiefergehenden Nahtoderfahrungen erläutert. Für mich selbst war es eine absolute Notwendigkeit, meine eigene Reise zu verstehen, hauptsächlich wegen der Art der unendlich liebenden, wissenden und persönlichen Natur dieser Gotteskraft, der ich begegnet bin. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die gleiche unendlich liebende Gotteskraft mit einer Welt in Verbindung gebracht werden könnte, in der zum Beispiel ein kleines Kind in einem Krieg getötet werden könnte. Ich sah keine Möglichkeit, so etwas in Einklang zu bringen. Aber ich erkannte bei meiner eigenen Reise, dass es eine Hintergrundrealität gibt, dass unsere Seelen immer und immer wieder zurückkehren, in einem Prozess des Wachstums, der Transformation und des Verstehens. Insofern ist die Reinkarnation meines Erachtens unentbehrlich.

Aber als ich nach meiner NTE zurückkam, wusste ich noch nichts von der Datenbank der University of Virgina, der Arbeit von Stevenson und all diesen Reinkarnationsdaten, aber sie zu studieren beseitigt alle Zweifel daran, dass sie echt sind. Diese vielen, vielen Fälle – und einige davon sind absolut atemberaubend. 

Herausgreifen möchte ich einen Fall, zu dem es sogar ein eignes Buch gibt. Er wurde unter Dr. Jim Tucker in der University of Virginia vollständig überprüft.

Sicher, man muss bei diesen Geschichten vorsichtig sein und darf Betrug und Erfindungen nicht ausschließen. Aber sie haben hier wunderbar recherchiert. Das Buch hat den Titel „Soul Survivor: Ein Junge erinnert sich an ein Leben vor seiner Geburt“. 

Es geht um James Leininger, einen Kampfpiloten aus dem Zweiten Weltkrieg, der Jahrzehnte später wieder geboren wurde. Wenn Sie diese Geschichte in allen Details kennen, dann können Sie ausschließen, dass es sich um Zufälle oder eine reine Erfindung halte. Und die Literatur der Universität bestätigt durch Hunderte Fälle, 2500 insgesamt, und jeden Tag kommen weitere dazu, dass etwas Wahres dran sein muss. Natürlich – so funktioniert die Welt, machen wir etwas Sinnvolles daraus! Wer in der heutigen Zeit über Bewusstsein spricht und nicht über die Realität der Reinkarnation, die Beweise dafür und die theoretischen Implikationen diskutieren kann, der hat einfach seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Sie sind also davon überzeugt, dass wir die materialistische Sichtweise und die materialistische Wissenschaft überwinden werden.

ALEXANDER: Absolut. Der Materialismus starb vor 80 Jahren mit der Quantenphysik. Wir haben aber so große Probleme sie zu verstehen, dass wir noch nicht wirklich dort angekommen sind. Aber die Quantenphysik deutet klar auf die Vorrangstellung des Bewusstseins hin. John Bells Arbeiten im Jahr 1964 hatten eine Schlussfolgerung von Einstein, Podolsky und Rosen aus dem Jahr 1935, dass nämlich die Quantentheorie unvollständig sei, widerlegt – und alle Experimente seither legen den Idealismus als Schlüssel zum Verständnis des Universums nahe. Das Geistige ist, sozusagen von oben nach unten, Top-Down, die Ursache von allem. Und wir Menschen haben als empfindende Lebewesen Zugang zu dieser geistigen Ebene.

Die materialistisch orientierten Wissenschaftler, die all das nicht anerkennen wollen, stecken dagegen in einer Bottom-Up-Kausalität fest, derzufolge die subatomaren Teilchen, Elektronen, Photonen, Protonen, Atome, Moleküle usw. diese Welt aufbauen. Alles läuft nach Gesetzmäßigkeiten ab, die diese Teilchen und ihre Wechselwirkungen regeln und die gesamte Realität begründen.

Damit die Gleichungen dieser Theorie ohne den Einfluss von Bewusstsein funktionieren, folgen Physiker der „Viele-Welten-Theorie der Quantenmechanik“, die Hugh Everetts im Jahr 1957 postulierte. Demnach entfalten sich in der Raumzeit neue Paralleluniversen bei jeder Entscheidung eines fühlenden Wesens. Nach jedem Ja, Nein, Ja, Nein, Ja, Nein und so weiter entsteht ein eigenes Universum. 

Diese Vorstellung scheint akzeptiert zu werden. Sie befriedigt die Mathematik und die Physik der Quantenmechanik. Aber ist das wirklich die Antwort? Wer könnte jemals wissen, welches unendliche Parelleluniverum sich in jedem Augenblick in der Raumzeit entfaltet? Und wie hängt das mit uns zusammen, wie wir unser Leben gestalten?

Gar nicht. Denn es geht um das Bewusstsein. Um die Erkenntnis, dass es für das Universum ursprünglich und grundlegend ist. Die wissenschaftliche Gemeinschaft wird das künftig verstehen. Wir leben in einem Universum, das ursprünglich auf Bewusstsein zurück geht. Erst auf dieser Basis können wir es näher untersuchen.

Erfahrung aus der Meditation spielen hier ebenfalls mit. Denn man könnte behaupten, dass der Mensch offensichtlich gar keinen freien Willen hat, da er ja nur wie eine Automat reagiert, wie es Behavioristen Mitte des 20. Jahrhunderts zu sagen pflegten. Ein bestimmter Stimulus löst bestimmtes Verhalten aus. Alles ist vorhersehbar. Aber nur, wenn Sie im Ego gefangen stecken, das eben reaktionär ist. Den wahren freien Willen können wir manifestieren, wenn wir Zugang zum ursprünglichen Geist durch unsere höhere Seele gefunden haben.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Gibt es neue Projekte?

ALEXANDER: Ich bin absolut fasziniert von der Reise, auf der ich mich gerade befinde. Ich bin dankbar mit jedem Atemzug, dass dies mein Los im Leben ist. Dankbar für die Herausforderungen und Tiefen, die ich hatte. Zum Beispiel meine Meningitis, denn in vielerlei Hinsicht war das ein enormes Geschenk für mich – im Hinblick darauf, wie sich alles entwickelt hat. Und so folge ich einfach den Brotkrumen.

Ich versuche, das Bewusstsein wissenschaftlich so tief wie möglich zu untersuchen, ebenso Phänomene der Heilung. Denn ich bin ausgebildeter Arzt, mein Vater und mein Großvater waren Chirurgen. Mein Sohn ist Arzt. Es geht immer um Heilung. Es geht um die Wahrheit in der Wissenschaft und in der Heilung. 

Als Arzt versuche ich auch anderen in Richtung Vollkommenheit zu helfen. Das ist es, was ich gern mache, und ich bin wie ein Kind in einem Süßwarenladen. Ich könnte nicht dankbarer oder glücklicher über mein Los im Leben sein, zu dem es gehört, anderen zu helfen. Zu versuchen, Liebe, Verständnis und Kraft zu teilen, weil wir alle in einem Boot sitzen.

Aber wir haben uns selbst in eine ziemlich schwierige Lage gebracht. Wir sind die Verwalter dieses Planeten. Und wir sind dem schönen Geschenk des Lebens auf der Erde in der Pflicht, es zu bewahren und zu verbessern und es nicht mit sinnloser Gier, wie sie sich gegenwärtig zeigt, im Klimawandel, in der Umweltverschmutzung und in ähnlichen Dingen, zu zerstören. Es gibt viel zu viel menschliches Leid auf dieser Welt, Flüchtlinge, Kriege. Wir sind es den Mitmenschen und uns selbst schuldig, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Vielen Dank für die faszinierenden Einblicke in Ihre Erlebnisse und Gedanken. Ich wünsche Ihnen alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

ALEXANDER: Vielen Dank.

 

Interview: Jens Rohrbeck
Übersetzung: Alexandra Grasmik
Redaktion: Werner Huemer

 

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Ein Gedanke zu “Eben Alexander: Die Reise eines Neurochirurgen ins Jenseits

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